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Wie Zero Trust SCADA-Systeme vor Cyberangriffen schützt

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Team Shieldworkz

Über Jahrzehnte hinweg basierte die Sicherheit von SCADA-Systemen auf einer einfachen, beruhigenden Annahme: Solange sich ein System innerhalb des Werksnetzwerks befindet, ist es sicher. Diese Annahme ist heute hinfällig. Fernwartung, Cloud, angebundene Datenhistoriker (Historians), Support-Portale von Drittanbietern und IIoT-Sensoren haben die physische Trennung (Air Gap), die Steuerungssysteme einst von der Außenwelt isolierte, schleichend aufgelöst. Der Komfort ist real – das Sicherheitsrisiko ebenso. 

Führungskräfte in der Industrie benötigen keine abstrakten Warnungen mehr über allgemeine „Cyber-Risiken“. Sie müssen präzise verstehen, wie Angreifer heute in SCADA-Umgebungen eindringen, warum klassische perimeterbasierte Netzwerksicherheitskonzepte versagen und was ein Zero-Trust-Ansatz in der Praxis in der Produktionshalle verändert. Genau darum geht es in diesem Leitfaden: verständlich, mit direktem Branchenbezug und ohne das übliche theoretische Fachchinesisch. 

Warum SCADA-Sicherheit zur Chefsache geworden ist 

SCADA- und ICS-Umgebungen wurden auf maximale Zuverlässigkeit und eine lange Lebensdauer ausgelegt, nicht auf die Abwehr zielgerichteter Angriffe. Viele vor fünfzehn oder zwanzig Jahren installierte Steuerungssysteme sind nach wie vor im Einsatz und nutzen Protokolle, die ohne Authentifizierung oder Verschlüsselung konzipiert wurden. Dies war eine vertretbare Designentscheidung, solange diese Systeme isoliert betrieben wurden. Heute, da fast jedes Werk über offizielle oder inoffizielle Schnittstellen verfügt, die die Operational Technology (OT) mit dem Internet verbinden, stellt dies ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. 

Sicherheitsanalysten, die kritische Infrastrukturen (KRITIS) bis ins Jahr 2026 hinein untersuchen, beobachten eine strategische Verhaltensänderung bei Angreifern: Anstatt lediglich einen einmaligen Sabotageakt zu verüben, nisten sich staatlich gesteuerte Gruppierungen über Monate hinweg unbemerkt in industriellen Netzwerken ein. Sie spionieren Informationen aus oder warten auf den strategisch passenden Moment für eine Intervention. Dieses Muster verändert die Risikokalkulation für OT-Verantwortliche grundlegend. Es geht nicht mehr nur darum, das Eindringen zu verhindern. Wir müssen davon ausgehen, dass professionelle Angreifer die Umgebung bereits sondieren, und Abwehrmechanismen etablieren, die deren Handlungsspielraum im Falle einer Kompromittierung strikt minimieren. 

Genau diese Lücke schließt das Zero-Trust-Modell. 

Zudem gibt es eine geschäftliche Dimension, die in rein technischen Diskussionen oft zu kurz kommt. Ein Sicherheitsvorfall in der IT-Infrastruktur führt meist zu einem Datenabfluss – teuer und imageschädigend, aber auf Informationsebene begrenzt. Ein Cyber-Vorfall in einer SCADA-Umgebung hingegen kann einen Stillstand der Produktionslinie, unvorhersehbares Verhalten von Sicherheitssteuerungen (SIS), kontaminierte Chargen oder sofortige gesetzliche Meldepflichten innerhalb weniger Stunden nach sich ziehen. Versicherer, Erstausrüster (OEM-Kunden) und Regulierungsbehörden stellen immer präzisere Fragen zum konkreten OT-Sicherheitsniveau. Die Debatte verlagert sich damit aus der Werkstatt direkt auf die Tische von CISO, COO und – in regulierten Branchen gemäß KRITIS-Vorgaben – des Vorstands. 

Diese Entwicklung ist entscheidend, da sie die Argumentation für Sicherheitsinvestitionen verändert. Zero Trust wird intern nicht mehr als bloßes Compliance-Häkchen oder als reines Technologie-Upgrade verkauft. Es dient dem direkten Schutz vor Betriebsunterbrechungen und minimiert deren Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß. Mit dieser Argumentation fällt es OT-Verantwortlichen deutlich leichter, die erforderlichen Budgets und die organisatorische Unterstützung für solche Initiativen zu sichern. 

Aktuelle Praxisbeispiele: Warum die Bedrohung nicht theoretisch ist 

Um die Diskussion zu erden, hilft ein Blick auf reale Vorfälle anstelle von hypothetischen Risiken. Einige Beispiele verdeutlichen, wie SCADA- und ICS-Umgebungen derzeit ins Visier genommen werden. 

Fortlaufende Kampagnen zur Kompromittierung von SCADA/PLC, 2026. Seit Anfang 2026 warnen Cybersicherheitsbehörden vor einer anhaltenden Angriffswelle auf mit dem Internet verbundene speicherprogrammierbare Steuerungen (SCADA/PLC) namhafter Automatisierungshersteller. Betroffen sind die Sektoren Wasserversorgung, Energie und staatliche Einrichtungen. Die Angreifer manipulierten Projektdateien und verfälschten die Anzeigen auf HMI- und SCADA-Bildschirmen, was teilweise zu erheblichen Betriebsbeeinträchtigungen und finanziellen Verlusten führte. Diese Aktivitäten werden geopolitischen Spannungen zugeordnet, was zeigt, dass ICS-Angriffe zunehmend Teil staatlicher Konflikte und seltener das Werk von Gelegenheitskriminellen sind. 

Ransomware dringt direkt bis in die SCADA-Ebene vor. In einem anderen Fall gelang es einer Ransomware-Gruppierung, große Datenmengen eines Biomassekraftwerks zu verschlüsseln, die direkt mit dem SCADA-System verknüpft waren. Dadurch wurde die Prozessführung der Hauptanlagen blockiert. Das Vorgehen zeigt einen klaren Trend im Bereich der Erpressersoftware: Angreifer machen nicht mehr an der IT-Grenze halt, sondern dringen gezielt in operative Systeme vor. Hier ist der Druck zur schnellen Wiederherstellung der Produktion extrem hoch, was die Zahlungsbereitschaft der Opfer erhöhen soll. 

Dienstleister-Zugänge als Einfallstor. Einer der folgenschwersten Vorfälle der ICS-Geschichte begann gar nicht mit einem direkten Angriff auf die Steuerungssysteme. Die Angreifer kompromittierten zunächst einen externen HLK-Dienstleister mittels Phishing und nutzten dessen gestohlene Zugangsdaten, um sich über die Gebäudeleittechnik Zugang zu weitaus kritischeren Systemen zu verschaffen. Dies bleibt eines der anschaulichsten Beispiele dafür, dass nicht das Steuerungssystem selbst, sondern der Fernzugriff von Dienstleistern oft das schwächste Glied in der Kette ist. 

Spezifische ICS-Schadsoftware. Sicherheitsanalysten haben hochentwickelte Malware-Familien identifiziert, die explizit darauf ausgelegt sind, mit verschiedenen industriellen Protokollen zu interagieren, sich dauerhaft im System einzunisten (Persistence) und forensische Analysen zu erschweren. Diese Werkzeuge werden gezielt für Angriffe auf Betreiber kritischer Infrastrukturen entwickelt und vertrieben. Ihre Existenz belegt, dass ICS-spezifische Angriffstools mittlerweile einen reifen, kommerziell verfügbaren Markt darstellen und keine seltenen Ausnahmen mehr sind. 

Die Gemeinsamkeit all dieser Fälle ist kein einzelner technischer Softwarefehler, sondern das Fehlen einer durchgängigen, strikten Verifizierung. Ein Gerät, ein Benutzer oder eine Verbindung wurde schlicht deshalb als vertrauenswürdig eingestuft, weil sich der Zugriff innerhalb des vermeintlich sicheren Netzwerks befand. Zero Trust wurde entwickelt, um dieses implizite Vertrauen konsequent abzuschaffen. 

Zudem ist die Evolution dieser Angriffsmuster besorgniserregend. Frühere ICS-Vorfälle vor über zehn Jahren erforderten meist hochspezialisierte, maßgeschneiderte Werkzeuge für eine ganz bestimmte Anlage oder Anlagekomponente – Operationen, die immense Ressourcen und lange Vorbereitung benötigten. Heute haben sich Skalierbarkeit und Verfügbarkeit drastisch verändert. Ransomware-as-a-Service-Anbieter integrieren standardmäßig OT-spezifische Funktionen in ihre Toolkits. Schadsoftware für Industrieprotokolle wird auf Untergrundforen gehandelt. Angreifer benötigen keine staatlichen Ressourcen mehr, um SCADA-Ebenen anzugreifen; es genügen ein ungeschützter Fernzugang, eine erfolgreiche Phishing-E-Mail oder ein nicht geändertes Standardpasswort. Diese Kombination aus sinkenden Hürden für Angreifer und maximaler Schadenswirkung macht OT-Sicherheit zu einer dringenden operativen Notwendigkeit. 

Sicherheitsbehörden prognostizieren für das Jahr 2026 eine deutliche Ausweitung der Ziele. Lag der Fokus früher primär auf dem Energiesektor und klassischen Versorgern, rücken nun die verarbeitende Industrie, Wasseraufbereitungsanlagen, die Pharmaindustrie, Lebensmittelproduktion und Logistik ins Visier. In diesen Sektoren treffen oft veraltete Steuerungssysteme (Legacy-Systeme), dünn besetzte Security-Teams und eine extrem hohe Abhängigkeit von kontinuierlicher Anlagenverfügbarkeit aufeinander – eine Kombination, die Angriffe besonders effektiv und schmerzhaft macht. 

Zero-Trust-Grundlagen für industrielle Umgebungen 

Zero Trust wird meist aus IT-Sicht erklärt, was in der Produktionshalle oft als praxisfern empfunden wird. Auf die OT angewendet, lässt sich das Konzept auf wenige pragmatische Kernprinzipien reduzieren: 

  • Niemals standardmäßig vertrauen, kontinuierlich verifizieren. Der physische Aufenthalt im Werksnetzwerk ist kein Nachweis dafür, dass ein Gerät oder Benutzer Zugriff auf ein bestimmtes Steuerungssystem erhalten darf. 

  • Prinzip der minimalen Rechtevergabe (Least Privilege). Jeder Benutzer, jedes Gerät und jede Anwendung erhält ausschließlich die Berechtigungen, die für die jeweilige Aufgabe zwingend erforderlich sind – keine darüber hinausgehenden Rechte. 

  • Mikrosegmentierung. Das Netzwerk wird in kleine, streng kontrollierte Zonen unterteilt, sodass sich eine Kompromittierung in einem Segment nicht unkontrolliert auf andere Bereiche ausbreiten kann. 

  • Kontinuierliche Überwachung und Validierung. Autorisierungsentscheidungen werden nicht nur einmalig beim Login getroffen, sondern fortlaufend anhand des Verhaltens, des Gerätestatus und des aktuellen Kontextes bewertet. 

  • Annahme der Kompromittierung (Assume Breach). Sicherheitsarchitekturen werden unter der Annahme entworfen, dass Angreifer bereits einen Zugang im Netzwerk besitzen. Ziel ist es, deren Bewegungsspielraum im Netz maximal einzuschränken. 



Klassische Perimetersicherheit 



Zero-Trust-Sicherheit 



Vertrauen basiert auf dem Netzwerkstandort 



Vertrauen basiert auf verifizierter Identität und Kontext 



Einmalige Authentifizierung an der Netzwerkgrenze 



Kontinuierliche Verifizierung über die gesamte Sitzungsdauer 



Breiter Netzzugriff nach erfolgreicher Einwahl 



Eingeschränkter, rollenbasierter Zugriff auf spezifische Assets 



Flache oder unzureichend segmentierte OT-Netzwerke 



Granulare Mikrosegmentierung nach Zonen und Funktionen 



Dauerhafte und oft geteilte Zugänge für externe Dienstleister 



Zeitlich begrenzte, auditierte und überwachte Dienstleister-Zugänge 



Erkennung von Angriffen meist erst nach lateralen Bewegungen 



Laterale Ausbreitung wird strukturell von Anfang an unterbunden 

Für diese Maßnahmen müssen bestehende SCADA/PLC-Systeme oder SCADA-Server nicht ausgetauscht werden. Zero Trust setzt an der Netzwerk- und Zugriffsebene an – genau dort, wo in den meisten Industrieumgebungen das größte Optimierungspotenzial besteht, ohne direkt in die physischen Produktionsprozesse einzugreifen. 

Zero-Trust-Fernzugriff für industrielle Steuerungssysteme 

Der Fernzugriff (Remote Access) stellt in vielen OT-Umgebungen einen der risikoreichsten und am wenigsten kontrollierten Pfade dar – und ist gleichzeitig einer der am schnellsten zu behebenden Punkte. Dienstleister, Systemintegratoren und Wartungstechniker müssen für Fehlerbehebungen und Updates regelmäßig auf SCADA/PLC, HMIs und Datenspeicher zugreifen. Häufig erfolgt dieser Zugriff immer noch über gemeinsam genutzte Passwörter, unüberwachte Remote-Desktop-Verbindungen oder klassische VPNs, die nach dem Verbindungsaufbau einen viel zu weitgehenden Zugriff auf das gesamte Netzwerk erlauben. 

Ein zeitgemäßer Zero-Trust-Fernzugriff ersetzt dieses unsichere Modell durch: 

Identitätsbasierte, zeitlich begrenzte Sitzungen. Der Zugriff wird ausschließlich für eine vordefinierte Aufgabe und ein enges Zeitfenster gewährt und danach automatisch entzogen. 

Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) für jede Remote-Sitzung, ausnahmslos und unabhängig von der Dringlichkeit oder dem Dienstleister. 

Sitzungsaufzeichnung und lückenlose Audit-Trails, sodass jede Aktion auf einem Steuerungssystem revisionssicher dokumentiert und nachvollziehbar ist. 

Anwendungsbezogener statt netzwerkbasierter Zugriff. Ein Dienstleister, der ein bestimmtes HMI wartet, darf niemals standardmäßig Einblick in das gesamte restliche OT-Netzwerk erhalten. 

Zero Trust Network Access (ZTNA) anstelle von flachen VPN-Tunneln, um gezielte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zu einzelnen Assets aufzubauen, statt den Nutzer direkt ins Netz zu integrieren. 

Diese Maßnahme – die Umstellung von Wartungs- und Dienstleisterzugängen auf ein Zero-Trust-Modell – schließt eines der am häufigsten ausgenutzten Einfallstore in industrielle Netzwerke und lässt sich in der Regel ohne Beeinträchtigung des laufenden Betriebs realisieren. 

Es lohnt sich zu betonen, warum dieser Schritt einen so schnellen Return on Investment bietet. Die meisten Werke arbeiten mit zahlreichen externen Partnern zusammen – Maschinenherstellern, Systemintegratoren, Kalibriertechnikern und IT-Dienstleistern –, die alle temporären Zugriff auf spezifische Systeme benötigen. Ohne einen kontrollierten Prozess bleiben Zugangsdaten oft über Jahre hinweg aktiv, lange nach dem Ende des eigentlichen Servicevertrags oder dem Ausscheiden des jeweiligen Mitarbeiters beim Dienstleister. Da sich selten jemand für die kontinuierliche Bereinigung dieser Altlasten verantwortlich fühlt, bleiben die Zugänge bestehen. Ein Zero-Trust-Fernzugriffsmodell erzwingt diese Kontrolle prozessual: Zugriffe werden sitzungsbasiert, personengebunden und aufgabenbezogen erteilt und verfallen nach der Nutzung automatisch. 

Netzwerksicherheit für IoT und IIoT unter dem Zero-Trust-Modell 

Das rasante Wachstum des Industrial IoT (IIoT) hat die Anzahl vernetzter Geräte in Werksnetzwerken massiv erhöht – von Sensoren und Edge-Gateways bis hin zu Systemen zur Zustandsüberwachung (Condition Monitoring). Oft geschieht dies schneller, als Security-Teams die Geräte erfassen können. Viele dieser Geräte weisen unsichere Standard-Zugangsdaten auf, bieten unzureichende Patch-Prozesse und verfügen über kaum integrierte Sicherheitsfunktionen, was sie zu einem idealen Sprungbrett für Angreifer in die tiefere OT-Infrastruktur macht. 

  • Zero Trust im IIoT-Bereich bedeutet, jedes Gerät als eigenständige, verifizierbare Identität zu behandeln und nicht als anonymen Netzwerkteilnehmer: 

  • Jedes IIoT-Gerät wird inventarisiert, eindeutig identifiziert (Fingerprinting) und basierend auf seiner Funktion und Risikoklasse einem definierten Netzwerksegment zugewiesen. 

  • Es wird ein normales Verhaltensmuster (Baseline) für jedes Gerät definiert. Abweichendes Kommunikationsverhalten – etwa ein Sensor, der plötzlich eine unbekannte externe IP-Adresse kontaktiert – wird sofort als Anomalie gemeldet. 

  • Die Direktkommunikation zwischen Geräten (Device-to-Device) wird auf das betrieblich absolut notwendige Minimum beschränkt, anstatt eine offene Kommunikation im Netzwerk zuzulassen. 

  • Geräte, die moderne Authentifizierungsverfahren nicht unterstützen, werden hinter dedizierten Gateways isoliert, die Sicherheitsrichtlinien stellvertretend für sie durchsetzen. 

Durch diesen Ansatz wird unkontrolliertes IIoT-Wachstum von einem unkalkulierbaren Risiko zu einem transparenten, überwachten und sicheren Bestandteil der Infrastruktur. 

 Zero Trust und regulatorische Compliance (KRITIS / NIS-2) 

Für viele Industrieunternehmen fällt die Implementierung von Zero Trust mit neuen gesetzlichen und vertraglichen Anforderungen zusammen. Standards wie die DIN EN IEC 62443 fordern explizit eine Segmentierung in Zonen und Verbindungskanäle (Zones and Conduits), strenge Zugriffskontrollen und eine kontinuierliche Überwachung – Prinzipien, die sich deckungsgleich in einer Zero-Trust-Architektur wiederfinden. Nationale und europäische Vorgaben für Betreiber Kritischer Infrastrukturen (wie das IT-Sicherheitsgesetz und NIS-2) weisen in dieselbe Richtung: Sie fordern nachweisbare Risikoanalysen, strikte Meldefristen bei Vorfällen und den Einsatz von Sicherheitsmaßnahmen nach dem Stand der Technik anstelle von Absichtserklärungen. 

Auch OEM-Kunden erhöhen den Druck. Es ist mittlerweile üblich, dass große Industrieabnehmer und Automobilhersteller von ihren Zulieferern den Nachweis eines definierten Reifegrads in der OT-Sicherheit verlangen – oft als zwingende Voraussetzung für die Vergabe oder Verlängerung von Verträgen (z. B. TISAX-Anforderungen). Unternehmen, die eine dokumentierte Zero-Trust-Architektur inklusive Segmentierungsplänen, Zugriffsprotokollen und Monitoring-Nachweisen vorlegen können, meistern diese Audits mühelos, anstatt unter Zeitdruck Behelfsnachweise erstellen zu müssen. 

Dies ist ein wesentlicher, oft unterschätzter Vorteil eines Zero-Trust-Programms: Die Architektur und die Überwachungssysteme, die das Cyber-Risiko real minimieren, liefern gleichzeitig die auditierbaren Nachweise, die Compliance-Vorgaben und Kundenprüfungen verlangen. IT-Sicherheit und regulatorische Compliance verschmelzen zu einem hocheffizienten Gesamtprozess. 

Herausforderungen bei der Umsetzung von Zero Trust in der OT 

Während sich Zero Trust in der klassischen IT als Standard etabliert hat, bringt die Betriebstechnik (OT) spezifische Rahmenbedingungen mit sich, die eine pragmatische Herangehensweise erfordern: 

  • Verfügbarkeit hat oberste Priorität. In der OT stehen Anlagenverfügbarkeit und Personensicherheit (Safety) über der Vertraulichkeit von Daten. Jede Zero-Trust-Maßnahme muss vorab verifiziert werden, um sicherzustellen, dass sie keinerlei Latenzen oder Störungen im laufenden Produktionsprozess verursacht. 

  • Veraltete Protokolle ohne Authentifizierung. Viele Industrieprotokolle wurden nie für moderne Identitätsprüfungen konzipiert. Daher müssen kompensierende Kontrollen – wie protokollsensitive Netzwerküberwachung und physische Segmentierung – implementiert werden. 

  • Komplexität historisch gewachsener Anlagen (Brownfield). In den meisten Werken sind jahrzehntelang gewachsene Maschinenparks, lückenhafte Dokumentationen und unprotokollierte Netzpfade die Realität. Ein schrittweiser, risikobasierter Rollout ist hier weitaus erfolgversprechender als ein radikaler Systemwechsel. 

  • Kulturelle Vorbehalte. OT-Ingenieure stehen Eingriffen in laufende Prozesse verständlicherweise skeptisch gegenüber. Zero-Trust-Initiativen sind dann erfolgreich, wenn sie eng mit den Wartungsfenstern geplant und gemeinsam mit den Produktionsteams validiert werden, anstatt sie diesen von außen aufzuzwingen. 

Die Berücksichtigung dieser Rahmenbedingungen von Beginn an – statt Zero Trust als reines IT-Projekt zu betrachten – entscheidet über Erfolg oder Misserfolg von OT-Sicherheitsprojekten. 

Fortschritt messbar machen 

Da die Einführung von Zero Trust in der OT ein evolutionärer Prozess ist, sollte Erfolg in messbaren Meilensteinen definiert werden. Erfolgreiche Unternehmen tracken hierfür spezifische Kennzahlen (KPIs): den Prozentsatz der OT-Assets mit verifizierter Identität und festem Verantwortlichen, die Anzahl der eliminierten Standard- oder Sammelzugänge bei Dienstleistern, die durchschnittliche Zeit bis zur Erkennung einer Anomalie im Werksnetzwerk (MTTD) und das Verhältnis von analysiertem und klassifiziertem Netzwerkverkehr zu unbekanntem Datenverkehr. Diese Metriken erfordern keine komplexen Spezialwerkzeuge, liefern dem Management und dem Vorstand jedoch ein klares, transparentes Bild über die kontinuierliche Risikoreduzierung im Quartalsvergleich. Dies sichert langfristig das Vertrauen und die Budgetfreigabe für das Programm. 

Praxisempfehlungen und Best Practices 

Unternehmen, die Zero Trust erfolgreich in ihren OT-Umgebungen etablieren, gehen meist nach folgendem bewährten Ablauf vor: 

  1. Erstellung einer verifizierten Asset-Inventory. Sie können keine Sicherheitsrichtlinien für Geräte durchsetzen, deren Existenz Ihnen nicht bekannt ist. Passive, rückwirkungsfreie Erkennungswerkzeuge sind hierfür der sicherste Ausgangspunkt. 

  2. Segmentierung des Netzwerks in logische Zonen gemäß anerkannter Standards (wie IEC 62443), um IT, OT und sicherheitskritische Systeme (SIS) strikt voneinander zu trennen. 

  3. Überführung von Dienstleister- und Fernzugriffen in ein identitätsbasiertes Kontrollmodell. Dies ist die wirksamste Maßnahme zur Risikominimierung bei gleichzeitig geringster Beeinträchtigung des laufenden Betriebs. 

  4. Schrittweise Durchsetzung von Least-Privilege-Richtlinien Zone für Zone, beginnend mit den Bereichen, die das höchste operative oder sicherheitstechnische Risiko bergen. 

  5. Implementierung einer kontinuierlichen, protokollsensitiven Netzwerküberwachung (Anomalieerkennung), um Abweichungen in Echtzeit zu identifizieren und nicht erst nach einem Vorfall. 

  6. Validierung aller Prozesse mit den Betreibern vor Ort. Jede Zero-Trust-Maßnahme, die von den Werksteams als hinderlich empfunden wird, wird in der Praxis umgangen. 

  7. Kontinuierliche Überprüfung und Anpassung. Zero Trust ist ein fortlaufender Prozess. Zugriffsanforderungen, Asset-Bestände und die Bedrohungslage verändern sich ständig. 



Fokusbereich 



Empfohlene Maßnahme 



Geschäftlicher Nutzen 



Asset-Transparenz 



Einsatz passiver Erkennungstools in allen OT-Zonen 



Lückenlose Inventarisierung, Beseitigung blinder Flecken 



Fernzugriff 



Ablösung von VPN/Shared-Credentials durch ZTNA 



Eliminierung von Risiken durch dauerhafte Zugänge 



Segmentierung 



Zoneneinteilung nach Funktion und Kritikalität 



Eindämmung lateraler Bewegungen im Schadensfall 



Überwachung 



Kontinuierliche, protokollsensitive Anomalieerkennung 



Schnelle Identifikation und zielgerichtete Reaktion 



IIoT-Geräte 



Gerätespezifische Identitäten und Verhaltens-Baselines 



Minimierung unkontrollierter Angriffsflächen 



Governance 



Laufende Auditierung und Abgleich mit Compliance-Richtlinien 



Nachweisbares, dauerhaft hohes Sicherheitsniveau 

Wie Shieldworkz Ihr Unternehmen unterstützt 

Shieldworkz begleitet Industrieunternehmen bei der nahtlosen Integration von Zero Trust in bestehende, aktive Produktionsumgebungen – ohne Stillstandszeiten. Unser Leistungsspektrum umfasst: 

  • Passive, rückwirkungsfreie OT-Asset-Erkennung zur Erstellung eines präzisen Inventars von SCADA/PLC, HMIs, SCADA-Servern und IIoT-Geräten 

  • Konzeption und Umsetzung von Netzwerksegmentierungen, abgestimmt auf Ihre Wartungsfenster und validiert im laufenden Betrieb 

  • Architektur für Zero-Trust-Fernzugriffe zur Ablösung permanenter Dienstleister-Zugänge durch zeitlich begrenzte, auditierte Sitzungen 

  • Kontinuierliche, protokollsensitive Anomalieerkennung, die speziell auf industriellen Datenverkehr statt auf generische IT-Signaturen abgestimmt ist 

  • OT-spezifisches Schwachstellenmanagement und Risikobewertungen, priorisiert nach dem tatsächlichen operativen Schadensrisiko 

  • Compliance-Vorbereitung für IEC 62443 und gesetzliche KRITIS-Vorgaben mit auditierungsfähigen Dokumenten für Behörden und Partner 

  • Managed Detection and Response (MDR) für OT-Umgebungen mit kontinuierlicher Überwachung weit über die Implementierung hinaus 

  • Planung von Incident-Response-Prozessen und Durchführung von Simulationen (Tabletop Exercises) zur optimalen Abstimmung zwischen IT und OT 

Jedes Projekt wird von erfahrenen Ingenieuren geleitet, die sowohl industrielle Protokolle als auch reale Produktionsabläufe kennen. So stellen wir sicher, dass Ihre Sicherheitsarchitektur die Produktion schützt, ohne sie zu verlangsamen. 

Häufig gestellte Fragen (FAQ) 

Erfordert Zero Trust den Austausch bestehender SCADA- und PLC-Hardware? Nein. Zero Trust ist primär ein Architektur- und Zugriffskontrollmodell, das auf Netzwerk- und Identitätsebene ansetzt. Es sichert bestehende Systeme ab, ohne dass diese ersetzt werden müssen. Das macht das Modell ideal für historisch gewachsene Industrieumgebungen, in denen jahrzehntealte Anlagen zuverlässig weiterlaufen müssen. 

Verlangsamt Zero Trust die Prozesse oder führt es zu Latenzen in der Steuerung? Bei fachgerechter Implementierung nicht. Zero-Trust-Sicherheitsmechanismen werden so konzipiert, dass zeitkritische Steuerungsprozesse unbeeinflusst bleiben. Die Kontroll- und Überwachungsebenen laufen parallel zum Produktionsdatenverkehr und greifen nicht blockierend in sicherheitskritische Prozesse ein. Die sorgfältige Validierung dieses Aspekts ist der Grund, warum wir ein phasenweises, mit der Produktion abgestimmtes Vorgehen empfehlen. 

Wie unterscheidet sich Zero Trust von einer klassischen OT-Firewall? Eine Firewall überwacht und filtert den Datenverkehr an Netzwerkgrenzen zwischen verschiedenen Zonen. Zero Trust geht einen entscheidenden Schritt weiter und verifiziert kontinuierlich die Identität und den Kontext jedes Benutzers, Geräts und jeder Anwendung im gesamten Netz. Eine gut strukturierte Segmentierung mittels Firewalls ist somit ein wichtiger Baustein einer Zero-Trust-Architektur, ersetzt diese jedoch nicht. 

Wie sollte ein Werk vorgehen, das bislang über keine formale Netzwerksegmentierung verfügt? Der erste Schritt ist die Schaffung von Transparenz. Eine passive Asset-Erkennung zur Erstellung eines verifizierten Inventars steht immer an erster Stelle. Jede Segmentierungsentscheidung ist nur so gut wie die Datenbasis der vorhandenen Assets. Im nächsten Schritt sorgt die Absicherung von Wartungs- und Fernzugriffen für die schnellste und effektivste Risikoreduzierung bei minimalem Aufwand. 

Ist Zero Trust nur für Großkonzerne mit eigenen Security-Abteilungen relevant? Nein. Mittelständische Industrieunternehmen und Werksbetreiber stehen heute ebenso im Fokus von Angreifern, da sie oft über weniger eigene Cybersicherheits-Ressourcen verfügen, während ihre Produktionsprozesse gleichermaßen kritisch sind. Ein modular aufgebautes Zero-Trust-Programm, begleitet von einem erfahrenen OT-Sicherheitspartner, ist für Unternehmen jeder Größenordnung pragmatisch umsetzbar. 

Fazit 

Die Absicherung von SCADA- und ICS-Umgebungen hat einen Punkt erreicht, an dem klassische Perimetersicherheitskonzepte und implizites Vertrauen nicht mehr ausreichen. Moderne Industrieumgebungen sind vernetzter als je zuvor und stehen zunehmend im Fokus professioneller Angreifer. Dies erfordert ein Sicherheitsmodell, das auf kontinuierlicher Verifizierung, dem Prinzip der minimalen Rechtevergabe und der strikten Eingrenzung potenzieller Schadensradien basiert. Zero Trust bietet genau diesen Schutz und lässt sich schrittweise und ohne Beeinträchtigung laufender Produktionsprozesse realisieren. 

Unternehmen, die diese Transformation jetzt proaktiv und mit Partnern angehen, die sowohl Security als auch OT verstehen, sichern ihre langfristige Handlungsfähigkeit. Wer zögert, verliert im Ernstfall die Kontrolle über den Zeitpunkt des Handelns. 

Möchten Sie Ihre OT-Umgebung analysieren lassen? 

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Weitere Ressourcen     

Umfassender Leitfaden zu Network Detection and Response (NDR) im Jahr 2026 hier
Arbeitsbuch zur Berechnung des OT-Sicherheitsrisikos hier
Detaillierter Bericht zum Stryker-Sicherheitsvorfall hier     
Anleitungen zur Behebung von Sicherheitsrisiken hier   
Best Practices und Leitfaden zur Risikobewertung in der OT-Sicherheit hier  
Checkliste zur OT/ICS-Risikobewertung gemäß IEC 62443 für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie hier  

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