
Der ultimative Leitfaden für Zero Trust Security in industriellen Steuerungssystemen (ICS)


Team Shieldworkz
Zero Trust in industriellen Umgebungen
Ein praktischer Leitfaden zur ImplementierungIndustrielle Steuerungssysteme betreiben die kritischste Infrastruktur der Welt – Stromnetze, Wasserwerke, Ölpipelines und Produktionshallen. Jahrzehntelang wurden diese Systeme in isolierten, physisch getrennten Umgebungen (Air-Gapping) betrieben, in denen die physische Trennung als ausreichende Sicherheit angesehen wurde. Diese Ära ist vorbei.
Heute sind IT- und OT-Netzwerke tief miteinander verbunden. Fernzugriff, Cloud-Anbindung und intelligente Sensoren haben die alten Netzwerkgrenzen aufgelöst. Angreifer wissen das. Ransomware-Gruppen, staatliche Akteure und opportunistische Hacker nehmen gezielt PLCs, SCADA-Systeme und industrielle Netzwerke ins Visier – und die Folgen einer erfolgreichen Kompromittierung gehen weit über den Datenverlust hinaus. Ein kompromittiertes ICS kann die Produktion stilllegen, Menschenleben gefährden und die nationale Infrastruktur lahmlegen.
Die traditionelle, perimeterbasierte Sicherheit – das „Burggraben-Modell“ – kann Umgebungen, in denen keine physischen Grenzen mehr existieren, schlichtweg nicht schützen. Aus diesem Grund hat sich die Zero Trust Security als das maßgebliche Framework für die moderne industrielle Cybersicherheit etabliert.
In diesem Blog erfahren Sie, was Zero Trust für ICS-Umgebungen bedeutet, warum herkömmliche Sicherheitskonzepte versagen und wie Sie Schritt für Schritt eine solide Zero-Trust-Architektur für die operative Technologie (OT) aufbauen.
Bevor wir fortfahren, vergessen Sie nicht, unseren vorherigen Blogbeitrag darüber zu lesen, warum traditionelle OT-Risikobewertungen unzureichend sind und wie OThello Assess dies behebt – und zwar hier.
Was ist Zero Trust Security?
Zero Trust Security ist eine Cybersicherheitsstrategie, die auf einem Kernprinzip basiert: Niemals vertrauen, immer überprüfen. Standardmäßig wird keinem Benutzer, Gerät oder System vertraut – selbst dann nicht, wenn es sich bereits innerhalb Ihres eigenen Netzwerks befindet.
Der Begriff wurde 2010 von John Kindervag geprägt und hat sich seitdem von einer konzeptionellen Idee zu einem ausgereiften, implementierbaren Framework entwickelt, das von NIST, CISA, NSA und DoD unterstützt und gefördert wird.
Zero Trust lehnt die Vorstellung, dass interner Netzwerkverkehr per se sicher ist, grundlegend ab. Stattdessen wird jede Zugriffsanforderung – sei es von einem menschlichen Bediener, einem automatisierten Prozess oder einem Machine-to-Machine-Befehl – bis zur erfolgreichen Verifizierung als potenziell schädlich eingestuft.
Die fünf Kernprinzipien von Zero Trust (angepasst für ICS)
Prinzip | Bedeutung für OT/ICS |
Explizit verifizieren | Jeder Benutzer und jedes Gerät muss sich authentifizieren, bevor auf ein System zugegriffen werden kann, einschließlich der Komponenten auf der Feldebene. |
Vergabe von Minimalrechten (Least Privilege) | Bediener, Dienstleister und automatisierte Prozesse erhalten nur die Berechtigungen, die sie zwingend benötigen – nicht mehr. |
Vom Schadensfall ausgehen (Assume Breach) | Konzipieren Sie Ihr Netzwerk so, als ob sich Angreifer bereits darin befinden; konzentrieren Sie sich auf die Schadenseindämmung. |
MFA implementieren | Jeder privilegierte Zugriff – insbesondere der Fernzugriff auf kritische Systeme – erfordert eine Multifaktor-Authentisierung. |
Kontinuierlich überwachen | Eine Echtzeit-Sichtbarkeit von Steuerungsbefehlen, Datenverkehr und Anomalien ist zwingend erforderlich. |
Zero-Trust-Architektur für ICS: Die Bausteine
Eine Zero-Trust-Architektur (ZTA) ist die Methode, mit der Sie diese Prinzipien in Ihrer realen Infrastruktur operationalisieren. Für ICS-Umgebungen bedeutet dies die Umsetzung von fünf konkreten technischen Säulen.
Säule 1: Identity and Access Management
In vielen heutigen OT-Umgebungen sind gemeinsam genutzte Zugangsdaten die Regel. Ein einziges „Admin“-Passwort wird von mehreren Ingenieuren, externen Dienstleistern und Systemintegratoren verwendet. Dies macht eine Zuordnung unmöglich und erleichtert Seitwärtsbewegungen (Lateral Movement) im Netzwerk erheblich.
Zero Trust erfordert die Eliminierung gemeinsam genutzter Zugangsdaten und die Durchsetzung einer identitätsbasierten Zugriffskontrolle für jeden Menschen und jede Maschine.
Praktische Maßnahmen:
Ersetzen Sie gemeinsam genutzte Konten durch individuelle Benutzeridentitäten für jeden Bediener und externen Dienstleister.
Implementieren Sie eine rollenbasierte Zugriffskontrolle (RBAC) – ein Wartungsingenieur darf nicht dieselben Zugriffsrechte besitzen wie ein Schichtleiter in der Leitwarte.
Erzwingen Sie eine Multifaktor-Authentisierung (MFA) für sämtliche Fernzugriffssitzungen sowie für alle privilegierten Aktionen auf kritischen Systemen.
Nutzen Sie Tools für das Privileged Access Management (PAM), um Zugangsdaten für PLCs, DCS-Systeme und SCADA-Plattformen sicher zu verwalten.
Wenden Sie den Just-in-Time-Zugriff (JIT) an – Zugangsdaten werden nur bei Bedarf ausgestellt und laufen automatisch wieder ab.
Säule 2: Industrielle Netzwersegmentierung und Mikrosegmentierung
Die Netzsegmentierung ist das strukturelle Rückgrat von Zero Trust. Sie unterteilt Ihre OT-Umgebung in isolierte Zonen, sodass sich eine Kompromittierung in einem Bereich nicht ungehindert auf andere ausbreiten kann.
Das Purdue-Modell (oder das entsprechende Äquivalent nach ISA/IEC 62443) liefert das traditionelle Zonen-Framework – es trennt die Unternehmens-IT, DMZ, Überwachungsnetzwerke und Feldgeräte in diskrete Ebenen. Zero Trust geht hierbei noch einen Schritt weiter und setzt auf Mikrosegmentierung, um granulare Sicherheitsgrenzen um einzelne Assets herum zu ziehen, statt nur grobe Netzwerkzonen zu definieren.
Checkliste für die Zero-Trust-Netzwerksegmentierung:
[ ] Haben Sie jedes Gerät, jeden Datenfluss und jeden Kommunikationspfad in Ihrem OT-Netzwerk vollständig erfasst?
[ ] Sind SCADA-Server, HMIs, PLCs und Feldgeräte logisch in voneinander getrennte Netzwerkzonen unterteilt?
[ ] Ist eine entkoppelte Demilitarized Zone (DMZ) zwischen IT- und OT-Netzwerken eingerichtet?
[ ] Sind Firewall-Regeln spezifisch und explizit definiert – und nicht nach dem Muster „alles aus dem OT-Subnetz zulassen“?
[ ] Sind Ost-West-Kommunikationspfade (laterale Kommunikation) zwischen Geräten standardmäßig eingeschränkt?
[ ] Sind Legacy-Geräte, die keine Sicherheits-Agents ausführen können, in isolierten Abschnitten mit Proxy-basierter Überprüfung untergebracht?
[ ] Werden Verbindungen von externen Dienstleistern auf einem dedizierten Jump-Server oder Bastion Host terminiert, anstatt direkten Zugriff auf das OT-Netzwerk zu erlauben?
Säule 3: Zero Trust Network Access (ZTNA) für die OT
Herkömmliche VPNs erstellen einen breiten Netzwerktunnel – einmal verbunden, erhält ein Benutzer weitreichenden Zugriff auf das gesamte Netzwerk. In industriellen Umgebungen birgt dies erhebliche Risiken. Über eine kompromittierte VPN-Sitzung erhält ein Angreifer direkten Zugriff auf Ihre Steuerungssysteme.
Zero Trust Network Access (ZTNA) ersetzt dieses Modell. Anstatt einen Tunnel zum gesamten Netzwerk zu öffnen, gilt bei ZTNA:
Die Identität des Benutzers wird überprüft.
Der Sicherheitsstatus (Health State) und die Konfiguration des Geräts werden geprüft.
Der Kontext der Anfrage wird evaluiert (Uhrzeit, Standort, Rolle).
Der Zugriff wird ausschließlich für die explizit angeforderte Ressource freigegeben – nicht für das gesamte Netzwerk.
Für OT-Umgebungen sollte ZTNA der Standard für jeden Fernzugriff sein – egal ob für Dienstleisterverbindungen, Remote-Sitzungen von Ingenieuren oder Zugriffe der Unternehmens-IT auf Betriebsdaten.
ZTNA vs. VPN – Ein praktischer Vergleich:
Funktion | Traditionelles VPN | ZTNA |
Netzwerk-Exposition | Zugriff auf das gesamte Subnetz | Nur auf spezifische Anwendung/Ressource |
Identitätsprüfung | Einmalige Anmeldung | Kontinuierlich und kontextbasiert |
Sicherheitsprüfung der Geräte | Selten erzwungen | Zwingend erforderlich |
Risiko der Seitwärtsbewegung | Hoch | Minimal |
Für OT-Umgebungen geeignet | Nein | Ja |
Detailtiefe des Audit-Trails | Eingeschränkt | Detailliert |
Säule 4: Asset-Transparenz und OT-spezifisches Monitoring
Man kann nur schützen, was man auch kennt. In OT-Umgebungen ist dies eine besondere Herausforderung – in vielen Betrieben existiert kein präzises Inventar der vernetzten Geräte. Altsysteme und PLCs, die vor Jahrzehnten installiert wurden, kommunizieren oft im Netzwerk, ohne dass die Verantwortlichen Kenntnis davon haben.
Zero Trust erfordert eine kontinuierliche Echtzeit-Sichtbarkeit jedes Geräts, jeder Verbindung und jedes Steuerbefehls innerhalb Ihres OT-Netzwerks.
Praktische Maßnahmen:
Setzen Sie Tools zur passiven Asset-Erkennung ein, die alle OT-Geräte identifizieren, ohne aktiven Netzwerkverkehr zu erzeugen, der Altsysteme stören könnte.
Erstellen und pflegen Sie ein dynamisches Asset-Inventar, das den Gerätetyp, die Firmware-Version, den Hersteller, die Kommunikationsprotokolle und die Kritikalitätsstufe enthält.
Implementieren Sie eine OT-spezifische Angriffserkennung (IDS), die industrielle Protokolle – wie Modbus, DNP3, EtherNet/IP, PROFINET – versteht und anomale Befehle (z. B. unbefugte Schreibvorgänge in ein PLC-Register) erkennt.
Definieren Sie verhaltensbasierte Baselines für den regulären Netzwerkverkehr und richten Sie bei Abweichungen Alarmierungen ein.
Integrieren Sie die OT-Telemetriedaten in Ihr Security Operations Center (SOC) oder Ihre SIEM-Plattform.
Säule 5: Sicherer Fernzugriff für Dienstleister und Dritte
Der Zugriff durch externe Dienstleister und Partner stellt in industriellen Umgebungen einen der größten Risikovektoren dar. Wartungstechniker, OEM-Support-Ingenieure und Systemintegratoren verbinden sich regelmäßig mit kritischen OT-Komponenten – nicht selten über unsichere, unüberwachte Kanäle.
Zero Trust Framework für den Dienstleister-Zugriff:
Sämtliche Sitzungen externer Partner müssen über einen dedizierten Jump-Server oder ein sicheres Remote-Access-Gateway geleitet werden – niemals direkt auf die OT-Komponente.
Verbindungen müssen zeitlich streng limitiert sein – nach Abschluss des Wartungsfensters erlischt der Zugriff automatisch.
Alle Aktivitäten externer Partner müssen aufgezeichnet und auditiert werden, um vollständige Protokolle für forensische Analysen bereitzustellen.
Externe Parteien müssen nachweislich Ihre Richtlinien zum Gerätesicherheitsstatus erfüllen, bevor eine Verbindung zugelassen wird.
Wenden Sie konsequent das Prinzip der minimalen Rechtevergabe an – ein Techniker, der für ein bestimmtes Aggregat zuständig ist, darf ausschließlich Zugriff auf dieses eine System erhalten.
ICS Zero Trust Framework: Ein phasenbasierter Einführungsplan
Die Einführung von Zero Trust in einer laufenden industriellen Umgebung erfordert höchste Sorgfalt. Betriebsunterbrechungen können nicht toleriert werden. Mit dem folgenden phasenbasierten Ansatz bauen Sie Zero Trust inkrementell auf, ohne die operative Verfügbarkeit zu gefährden.
Phase 1: Erfassung und Analyse (Woche 1-8)
Die Grundlage von Zero Trust ist Transparenz. Bevor Zugriffskontrollen durchgesetzt werden können, muss präzise ermittelt werden, welche Assets vorhanden sind.
Zentralle Aktivitäten:
Durchführung einer umfassenden OT-Asset-Erkennung (passiv und rückwirkungsfrei).
Erfassung aller Netzwerkbeziehungen – welche Geräte kommunizieren über welche Protokolle miteinander.
Identifikation sämtlicher Fernzugriffspfade – wie VPN, RDP, Portale von Drittanbietern oder Mobilfunkrouter.
Klassifizierung der Assets nach Kritikalität: Sicherheitssysteme (SIS), produktionskritische Systeme, nicht-kritische Systeme.
Dokumentation aller Benutzerkonten und deren aktueller Berechtigungsstufen.
Ergebnis: Ein lückenloses OT-Asset-Inventar sowie eine detaillierte Übersicht der Netzwerkkommunikation.
Phase 2: Konzeption und Design (Woche 9-16)
Nachdem die notwendige Transparenz geschaffen wurde, erfolgt der Entwurf Ihrer Zero-Trust-Architektur.
Zentrale Aktivitäten:
Definition von OT-Netzwerkzonen in Übereinstimmung mit den Vorgaben der ISA/IEC 62443 bzw. des Purdue-Modells.
Entwurf von Mikrosegmentierungsregeln für den Ost-West-Datenverkehr zwischen den Systemen.
Festlegung von Zugriffsrichtlinien: Wer (oder was) darf unter welchen Bedingungen mit welchen Assets kommunizieren.
Auswahl und Spezifikation der ZTNA-Lösung als Ablösung der herkömmlichen VPN-Strukturen.
Konzeptionierung der MFA-Durchsetzung für administrative Zugriffe.
Ergebnis: Ein technisches Design der Zero-Trust-Netzwerkarchitektur und ein definiertes Richtlinien-Framework.
Phase 3: Schrittweise Implementierung (Monat 4-9)
Setzen Sie die Zero-Trust-Kontrollen schrittweise um. Beginnen Sie dabei mit den Risikovektoren, die das größte Schadenspotenzial aufweisen.
Empfohlene Reihenfolge:
Implementierung der Netzwerksegmentierung an der IT/OT-Schnittstelle.
Ablösung der VPN-basierten Fernzugriffe durch ZTNA.
Durchsetzung von MFA für alle Remote-Sitzungen und privilegierten lokalen Zugriffe.
Inbetriebnahme von OT-spezifischem IDS/IPS und der kontinuierlichen Asset-Überwachung.
Umsetzung der Mikrosegmentierung innerhalb der OT-Zonen, beginnend mit den kritischsten Systemen.
Absicherung und Kapselung von Altsystemen (Legacy-Geräten), die nicht gepatcht oder aktualisiert werden können.
Grundregel: Testen Sie jede Änderung zunächst in einer Staging-Umgebung oder während geplanten Wartungsfenstern, bevor diese in die produktive Steuerungsumgebung übernommen wird.
Phase 4: Kontinuierliche Überwachung, Validierung und Optimierung (Fortlaufend)
Zero Trust ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Das Konzept erfordert kontinuierliches Monitoring, regelmäßige Anpassung der Zugriffsrichtlinien und eine ständige Ausrichtung an neuen Gegebenheiten.
Fortlaufende Aktivitäten:
Vierteljährliche Überprüfung und Aktualisierung der Zugriffsrichtlinien (oder unmittelbar nach signifikanten Netzwerkänderungen).
Regelmäßige Durchführung von Schwachstellenanalysen und Penetrationstests an OT-Assets.
Monatliche Auditierung der Zugriffsprotokolle externer Dienstleister.
Analyse und Bearbeitung von Sicherheitsmeldungen der OT-IDS- und SIEM-Plattformen.
Simulationsübungen (Tabletop Exercises) für spezifische ICS-Sicherheitsvorfälle.
Die Bewältigung der größten Herausforderungen bei ICS Zero Trust
OT-Umgebungen weisen spezifische Besonderheiten auf, die sich grundlegend von klassischen IT-Systemen unterscheiden. Hier sind bewährte Ansätze für die häufigsten Herausforderungen.
Herausforderung 1: Altsysteme (Legacy-Geräte), die nicht aktualisiert werden können
Viele PLCs, RTUs und Sensoren nutzen proprietäre Firmware aus den 1990er oder 2000er Jahren. Sie verfügen weder über Ressourcen für Sicherheits-Agents noch unterstützen sie Verschlüsselung oder moderne Authentifizierungsverfahren.
Lösung: Isolieren Sie diese Systeme in eigenen Mikrosegmenten. Leiten Sie den gesamten Datenverkehr zu und von diesen Altkomponenten über ein sicheres Gateway oder eine Application-Layer-Firewall, die Deep Packet Inspection durchführt. Das Altsystem selbst bleibt unverändert – geschützt wird es durch die davor geschalteten Sicherheitsmechanismen.
Herausforderung 2: Industrieprotokolle ohne integrierte Sicherheitsmechanismen
Übertragungsprotokolle wie Modbus oder DNP3 wurden auf maximale Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit ausgelegt, nicht auf Integrität und Sicherheit. Sie bieten standardmäßig keine Verschlüsselung oder Authentifizierung.
Lösung: Setzen Sie protokollsensitive Firewalls und OT-IDS-Plattformen ein, die diese industriellen Kommunikationsdaten dekodieren und Whitelisting für zulässige Steuerbefehle erzwingen können. Eine Modbus-Firewall kann beispielsweise unberechtigte Schreibbefehle auf Spulenregister blockieren, wenn sie nicht von der autorisierten HMI stammen.
Herausforderung 3: Die operative Verfügbarkeit darf nicht gefährdet werden
Im Gegensatz zur klassischen IT-Infrastruktur kann eine PLC im laufenden Betrieb nicht einfach für die Installation eines Sicherheitsupdates heruntergefahren werden. Dies führt zu Produktionsausfällen und gefährdet unter Umständen sicherheitskritische Prozesse.
Lösung: Setzen Sie primär auf rückwirkungsfreie, passive Verfahren für die Erkennung und kontinuierliche Überwachung. Nutzen Sie ausschließlich geplante Instandhaltungsfenster für aktive Änderungen an den Produktivsystemen. Testen Sie neue Sicherheitsmechanismen im Vorfeld auf Test- und Simulationsumgebungen.
Herausforderung 4: OT-Teams und IT-Sicherheitsteams agieren in Silos
OT-Ingenieure fokussieren sich auf den physischen Produktionsprozess und die Anlagenverfügbarkeit; die IT-Sicherheit konzentriert sich auf logischen Schutz und Informationssicherheit. Für ein wirksames Zero-Trust-Konzept müssen beide Disziplinen zusammengeführt werden.
Lösung: Etablieren Sie eine gemeinsame Governance-Struktur für die OT/IT-Sicherheit mit geteilter Informationsbasis und gemeinsamer Verantwortung. Sicherheitsrichtlinien sollten von Vertretern beider Bereiche gemeinsam erarbeitet und freigegeben werden. Nutzen Sie Dashboards, die Daten der OT- und IT-Sicherheit in einer konsolidierten Ansicht darstellen.
Zero Trust Compliance: Relevante Standards und regulatorische Vorgaben
Die Prinzipien von Zero Trust korrespondieren direkt mit den gesetzlichen Anforderungen und IT-Sicherheitsstandards für Betreiber kritischer Infrastrukturen. Die folgende Tabelle zeigt die Entsprechungen auf:
Standard / Regulierung | Relevante Zero-Trust-Sicherheitsmaßnahmen |
NIST SP 800-82 (ICS Security) | Asset-Inventar, Vergabe von Minimalrechten, Netzsegmentierung, kontinuierliche Überwachung |
ISA/IEC 62443 | Zonen- und Conduit-Modell, Zugriffskontrolle, Systemintegrität, Vertraulichkeit von Daten |
NERC CIP (Energiesektor) | Elektronische Sicherheitsperimeter, Zugriffssteuerung, Überwachung, Incident Response |
CISA Zero Trust Maturity Model | Identitäten, Geräte, Netzwerke, Anwendungen, Daten – Abdeckung aller fünf Säulen |
NIS-2-Richtlinie (EU) / BSIG / KRITIS | Risikomanagement, Netzsegmentierung, Zugriffskontrolle, Vorfallsmeldung, Stand der Technik |
NIST CSF 2.0 | Govern, Identify, Protect, Detect, Respond, Recover |
Die Umsetzung eines Zero-Trust-Konzepts dient nicht nur der reinen Sicherheitsoptimierung, sondern beschleunigt auch Audits und Konformitätsprüfungen. Die implementierten Maßnahmen unterstützen direkt die Erfüllung gesetzlicher Vorgaben (z. B. nach dem IT-Sicherheitsgesetz) und internationaler Standards.
Zero Trust Checkliste für ICS/OT-Umgebungen
Nutzen Sie diese Checkliste zur Bewertung Ihres aktuellen Zero-Trust-Reifegrads und zur Identifikation prioritärer Maßnahmen.
Identität & Zugriffsschutz
[ ] Alle Anwender nutzen persönliche Benutzerkonten – gemeinsam genutzte Zugangsdaten sind eliminiert.
[ ] Eine Multi-Faktor-Authentisierung (MFA) ist für jeden externen Zugriff auf OT-Systeme zwingend vorgeschrieben.
[ ] Privilegierte Konten (Administratoren, Ingenieure) werden über ein PAM-System verwaltet.
[ ] Zugriffe durch externe Partner und Dienstleister sind zeitlich eng limitiert, werden überwacht und lückenlos protokolliert.
[ ] Berechtigungsstrukturen werden mindestens vierteljährlich überprüft und rezertifiziert.
Netzwerkarchitektur
[ ] IT- und OT-Netzwerke sind durch eine konsequent konfigurierte DMZ voneinander getrennt.
[ ] Die Zonenaufteilung innerhalb der OT ist definiert und wird über Firewalls restriktiv durchgesetzt.
[ ] Mikrosegmentierung schützt kritische Kernsysteme (wie SCADA-Server und Sicherheitssysteme).
[ ] Legacy-Komponenten sind in gesonderten, geschützten Netzwerksegmenten gekapselt.
[ ] Die Ost-West-Kommunikation im internen Netzwerk ist standardmäßig blockiert (Default-Deny).
Asset-Transparenz
[ ] Es existiert ein vollständiges, kontinuierlich gepflegtes Asset-Inventar aller OT-Komponenten.
[ ] Alle Komponenten sind nach Kritikalität, Funktion und Schutzbedarf klassifiziert.
[ ] Der Datenverkehr wird permanent durch ein OT-protokollsensitives Monitoring überwacht.
[ ] Für alle wesentlichen Systemkomponenten liegen Verhaltensprofil-Baselines vor.
Fernzugriff (Remote Access)
[ ] Klassische, weitreichende VPN-Zugänge in die OT wurden abgelöst oder stark eingeschränkt.
[ ] Jeder Fernzugriff erfolgt über ZTNA unter Einbeziehung einer automatisierten Geräteüberprüfung.
[ ] Remote-Sitzungen werden aufgezeichnet und in Echtzeit auf Anomalien überwacht.
[ ] Zugriffe aus der Ferne setzen ausnahmslos ein starkes MFA-Verfahren voraus.
Überwachung und Reaktion (Incident Response)
[ ] Die OT-Telemetriedaten werden in ein zentrales SIEM oder SOC eingespielt.
[ ] Es existieren spezifische Incident-Response-Prozeduren (Playbooks) für ICS-Szenarien (wie Ransomware oder unberechtigte Steuerbefehle).
[ ] Es finden regelmäßige gemeinsame Krisen- und Notfallübungen der OT- und IT-Verantwortlichen statt.
[ ] Schwachstellenanalysen der OT-Infrastruktur werden mindestens einmal jährlich durchgeführt.
Wie Shieldworkz Sie beim Aufbau von Zero Trust für ICS unterstützt
Wir von Shieldworkz arbeiten exklusiv mit Betreibern kritischer Infrastrukturen, OT-Ingenieuren und Cybersicherheitsverantwortlichen zusammen. Wir wissen, dass sich OT-Umgebungen fundamental von klassischer Office-IT unterscheiden – und dass ungeeignete Sicherheitsmaßnahmen ebenso große Störungen verursachen können wie die Bedrohungen, die sie abwehren sollen.
Unser Zero-Trust-Ansatz für ICS basiert auf vier zentralen Säulen:
1. OT-Asset-Erkennung und Risikoanalyse: Wir verschaffen Ihnen zunächst die erforderliche Transparenz über Ihre OT-Landschaft – jede Komponente, jeden Kommunikationsweg und jede Schwachstelle. Sicherheitsrisiken lassen sich nur dann minimieren, wenn sie bekannt sind. Unsere Analysen decken verdeckte Schwachstellen auf, die gängigen IT-Werkzeugen entgehen.
2. Konzeptionierung industrietauglicher Zero-Trust-Architekturen: Wir entwerfen Sicherheitsarchitekturen, die sich nahtlos in Ihre betrieblichen Abläufe integrieren lassen, anstatt ungeeignete IT-Konzepte auf Ihre Produktionsanlagen zu übertragen. Jede Segmentierungsregel und Richtlinie wird individuell auf Ihre Prozesse, Protokolle und Kritikalitätsstufen abgestimmt.
3. ZTNA und Absicherung von Fernzugriffen: Wir ersetzen traditionelle, risikobehaftete VPN-Systeme durch speziell für die OT entwickelte ZTNA-Lösungen. So stellen wir sicher, dass Techniker, Supportteams und Dienstleister sicher agieren können, ohne direkt mit Control-Systemen in Kontakt zu kommen.
4. Kontinuierliche Überwachung und Managed Detection: Zero Trust basiert auf dem Prinzip der permanenten Verifizierung. Unsere Managed-OT-Security-Services bieten Ihnen durchgängige Echtzeittransparenz, Anomalieerkennung und eine fachgerechte Reaktion auf Vorfälle durch unsere Experten.
Fazit
Die Bedrohungslage im industriellen Umfeld hat sich fundamental verändert. Angreifer agieren hochspezialisiert und nehmen gezielt OT-Schnittstellen ins Visier, da dort die Hebelwirkung durch Betriebsunterbrechungen extrem hoch ist. Ein rein perimeterbasierter Schutz reicht heute nicht mehr aus und stellt ein unkalkulierbares Risiko dar.
Zero Trust Security bietet Ihnen einen strukturierten, praxistauglichen Weg:
Verhindern Sie laterale Bewegungen von Angreifern, bevor diese kritische Steuerungssysteme erreichen.
Ersetzen Sie implizites Vertrauen durch kontinuierliche Verifizierung an jedem Endpunkt.
Erfüllen Sie die regulatorischen Anforderungen gemäß BSI-Vorgaben, IEC 62443, NIS-2 und weiteren Standards.
Stärken Sie die Resilienz Ihrer Betriebsprozesse und sichern Sie Produktion, Betriebssicherheit und Reputation.
Der Handlungsrahmen ist definiert, die Frameworks sind erprobt. Entscheidend ist die konsequente Umsetzung.
So unterstützen wir Sie beim nächsten Schritt: Fordern Sie eine Zero Trust Bereitschaftsanalyse an – unsere OT-Sicherheitsspezialisten analysieren Ihre bestehende Architektur, ermitteln kritische Schwachstellen und erstellen einen priorisierten, auf Ihre Produktion abgestimmten Fahrplan. Kontaktieren Sie unsere Experten noch heute. Der Schutz Ihrer Wertschöpfung duldet keinen Aufschub.
Zusätzliche Ressourcen:
Zero Trust in Industrial Environments: A Practical Implementation Guide finden Sie hier
Den NIST SP 800-160 Compliance and Remediation Guide finden Sie hier
Weitere Remediation Guides finden Sie hier

Wöchentlich erhalten
Ressourcen & Nachrichten
Erfahren Sie, wie unsere branchenführenden OT-Security-Lösungen kritische Sicherheitsherausforderungen gemäß KRITIS-Anforderungen bewältigen
Dies könnte Ihnen auch gefallen.

NERC CIP-015-1 Vulnerability Management Strategies for OT Networks

Team Shieldworkz

Why IEC 62443 Is the Leading OT Cybersecurity Standard

Team Shieldworkz

Preliminary Investigation Report: Data Extortion targeting Kudankulam Nuclear Plant engineering documents

Prayukth K V

Key Components of a Cyber Physical System Explained

Team Shieldworkz

Preparing European critical infrastructure for the next phase of Russian cyber operations

Prayukth K V

Nihon Kotsu cyber incident: Analysis and investigative report

Prayukth K V

